Sie kennen den Blick sicher: große, hängende Augen, faltige Stirn, Ohren, die fast den Boden streifen. Der Basset Hound sieht aus, als hätte ihm gerade jemand das letzte Stück Wurst weggenommen. Doch hinter dieser melancholischen Fassade steckt einer der faszinierendsten und zugleich unterschätztesten Hunde überhaupt. Ich habe selbst zwei Jahre lang einen Basset Rüden namens Oskar gehabt, bevor er mit zwölf Jahren starb. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass diese Rasse weit mehr zu bieten hat – und weit mehr Probleme machen kann – als die meiste Literatur vermuten lässt.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Basset Hound ist ein Laufhund mit einem der besten Geruchssinne überhaupt – keine Couch-Kartoffel, wie sein Aussehen vermuten lässt.
- Sein berühmt-berüchtigter Dickkopf ist kein Erziehungsfehler, sondern Zuchtmerkmal: Diese Hunde sind zur Selbstständigkeit gezüchtet.
- Die typischen Rassemerkmale wie lange Ohren und Falten sind keine rein kosmetischen Details, sondern führen zu konkreten gesundheitlichen Risiken wie chronischen Ohrenentzündungen.
- Mit einem realistischen Budget von über 1.500 Euro pro Jahr allein für Grundversorgung sollten Interessenten rechnen – unvorhergesehene Tierarztkosten nicht eingerechnet.
- Die Wahl des Züchters entscheidet nicht nur über das Aussehen, sondern über die Lebensqualität des Hundes – Augen- und Hüftuntersuchungen sind hier Pflicht.
Basset Hound Charakter: Sanftmütig, sturköpfig und völlig unterschätzt
Wer einen Basset Hound erwartet, der wie eine lebende Decke auf dem Sofa liegt, wird schnell eines Besseren belehrt. Oskar zum Beispiel schaffte es in seinen ersten Wochen bei mir, dreimal aus dem umzäunten Garten zu entkommen. Nicht durch Springen – dazu sind die Beine zu kurz. Er grub. Systematisch. Nacht für Nacht, bis er unter dem Zaun durchpasste. Und dann? Dann saß er 20 Meter weiter im Nachbargarten und wartete auf mich. Er wollte gar nicht weglaufen. Er wollte nur beweisen, dass er es konnte.
Diese Mischung aus Sanftmut und Sturheit macht den Charakter der Rasse aus. Der Basset ist kein Hund, der bedingungslos gehorcht, weil sein Mensch es sagt. Er ist ein Hund, der überlegt, ob es sich lohnt. Diese Eigenschaft stammt direkt aus seiner Vergangenheit als Meutehund: Er wurde über Jahrhunderte darauf gezüchtet, in der Gruppe selbstständig zu arbeiten und seiner Nase zu folgen – nicht den Kommandos eines Menschen, der 50 Meter hinter ihm durchs Unterholz stapft.
Eigenwillig, aber nicht dominant
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass diese Sturheit mit Dominanz oder Aggression gleichzusetzen sei. Das Gegenteil ist der Fall. Der Basset Hound ist ein ausgesprochen sozialer Hund, der Menschen und Artgenossen gegenüber freundlich und geduldig ist. In der Meute hat er gelernt, Konflikte zu vermeiden. Diese Gelassenheit macht ihn zu einem wunderbaren Familienhund – auch mit Kindern.
Und dennoch: Wer einen Basset erziehen will, braucht mehr Geduld als bei einem Border Collie. Ich erinnere mich an unsere Welpenschule. Während die Retriever nach dem dritten Übungswurf freudig apportierten, lag Oskar mitten auf dem Platz. Er hatte die Übung verstanden. Er hatte nur keine Lust. Ehrlich gesagt: Diese Souveränität – gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstironie – hat mich oft mehr beeindruckt als jeder perfekte Abruf.
Der Basset als Familienhund: Ein Hund mit Eigensinn
Für wen eignet sich dieser Hund also? Meiner Erfahrung nach für Menschen, die einen Partner suchen, keinen Untergebenen. Der Basset fordert nichts – aber er erwartet, dass man ihn so akzeptiert, wie er ist: gemütlich, verschmust, aber eben auch unabhängig. In meiner Beratungspraxis sage ich oft: Ein Basset ist kein Anfängerhund, aber er ist auch kein Profihund. Er liegt irgendwo dazwischen – und genau das macht ihn so besonders.
Haltung und Alltag: Was bedeutet ein Basset Hound im täglichen Leben?
Bevor Sie sich für einen Basset Hound entscheiden, sollten Sie sich eines klarmachen: Diese Hunde sind keine Dauerläufer, aber sie sind auch keine Stubenhocker. Oskar brauchte täglich etwa eine Stunde Bewegung in mehreren Etappen. Und da ist das Problem: Wenn ein Basset eine interessante Fährte aufnimmt, vergisst er die Welt um sich herum. Und Sie mit.
Nasenarbeit: Die geheime Superkraft des Basset Hounds
Sein Geruchssinn ist außergewöhnlich. Nach dem Bloodhound besitzt der Basset Hound den feinsten Geruchssinn aller Hunderassen. Diese Fähigkeit ist kein Zufall – sie wurde gezüchtet. Seine kurzen Beine bringen seine Nase näher an den Boden, und die Falten um Kopf und Hals sollen helfen, Geruchspartikel zu sammeln.
Wer einen Basset artgerecht beschäftigen will, kommt an Nasenarbeit und Mantrailing kaum vorbei. In diesen Disziplinen zeigt sich, wie intelligent diese Hunde tatsächlich sind. Der sture Hund von vorhin wird plötzlich zum hochkonzentrierten Arbeitshund, der stundenlang eine Fährte verfolgen kann.
Wohnen mit Basset Hound: Platzbedarf und Garten
Ein Haus mit Garten ist wünschenswert, aber nicht zwingend. Wichtiger ist ein sicherer Zaun – denn ein Basset, der eine Spur aufnimmt, gräbt sich durch, schiebt sich durch oder wartet in letzter Konsequenz auf eine Gelegenheit. Oskar hat mir dreimal bewiesen, dass ein 90 Zentimeter hoher Zaun kein Hindernis ist. Nicht, weil er springen konnte, sondern weil er untergrub wie ein Maulwurf.
Unabhängig von der Wohnform gilt: Der Basset ist aufgrund seines kurzen Rückens und der tiefen Brust anfällig für Wirbelsäulenprobleme. Treppen sollten wenn möglich vermieden oder der Hund getragen werden. Ein Rampe fürs Sofa oder das Auto ist keine Verweichlichung, sondern schlichte Rückenprophylaxe.
Gesundheit und typische Probleme: Nicht nur die Ohren hängen tief
Jetzt wird es ungemütlich. Denn was viele Züchter und Liebhaber verschweigen, ist die lange Liste an gesundheitlichen Problemen, mit denen diese Rasse zu kämpfen hat. Der Basset Hound ist eine Rasse mit typischen Rassenerkrankungen. Das liegt nicht an bösem Willen der Züchter, sondern an den Extremen der Zuchtmerkmale.
Die Achillesferse: Ohren, Haut und Falten
Die langen, schweren Ohren sind nicht nur ein Markenzeichen – sie sind ein Pflegefall. Weil sie so dicht am Boden hängen und die Belüftung im Gehörgang schlecht ist, entstehen schnell chronische Ohrenentzündungen. Ich habe bei Oskar in zwölf Jahren unzählige Flaschen mit Ohrenreinigern verbraucht. Mindestens einmal im Monat stand eine Grundreinigung an. Wer dazu nicht bereit ist, sollte sich nach einer anderen Rasse umsehen – ehrlich.
Auch die Hautfalten sind anfällig für Hautentzündungen und Pilzbefall. Regelmäßiges Reinigen und vor allem das gründliche Trocknen der Falten ist wichtig. Und dann ist da natürlich die Neigung zum Sabbern – besonders nach dem Trinken oder bei Aufregung. Wer empfindlich ist, sollte Servietten bereithalten.
Augen-, Hüft- und Gelenkprobleme
Die hängenden Unterlider begünstigen ein Ektropium, bei dem sich das Lid nach außen dreht. Infolgedessen sind die Augen schlecht geschützt, was zu chronischen Bindehautentzündungen führen kann. Hinzu kommen eine erbliche Veranlagung zu Erkrankungen der Netzhaut, die bis zur Erblindung führen können.
Dazu kommen die Gelenkprobleme: Dysplasien an Hüfte und Ellenbogen sowie die bei vielen kurzbeinigen Rassen auftretende Bandscheibenerkrankung. Ich möchte keine konkrete Prozentzahl nennen – die Zahlen schwanken je nach Quelle stark. Aber ich kann aus meiner Erfahrung sagen: Oskar hatte mit acht Jahren erste Anzeichen von Arthrose in den Hinterbeinen. Mit einer Kombination aus Gewichtskontrolle, schonender Bewegung und Ergänzungsfuttermitteln hatten wir ihn gut eingestellt.
Übergewicht: Die stille Gefahr
Ein gesunder, ausgewachsener Basset Rüde wiegt zwischen 25 und 29 Kilogramm, Hündinnen sind etwas leichter. Doch genau hier beginnt das Problem, denn Basset Hounds sind wahre Fressmaschinen. Sie betteln nicht nur – sie stehlen. Oskar hat es einmal geschafft, eine komplette Torte vom Küchentisch zu ziehen, ohne dass ich es bemerkt habe. Und er war nicht einmal übergewichtig, weil ich penibel auf sein Gewicht geachtet habe.
Übergewicht verschlimmert alle genannten Probleme: Es belastet die Gelenke, das Herz und die Bandscheiben. Ein schlanker Basset ist ein gesünderer Basset – das ist keine Schönheitsfrage, sondern schlichte Gesundheitsvorsorge.
Basset Hound kaufen: Verantwortung beginnt beim Züchter
Wer sich für einen Basset Hound entscheidet, sucht am besten einen Züchter, der ein paar entscheidende Kriterien erfüllt. Denn die Rasse hat ein massives Problem: die unverantwortliche Vermehrung. Diese führt nicht nur zu Tieren mit extremen körperlichen Merkmalen, sondern auch zu einer Häufung von Krankheiten und Verhaltensproblemen.
Woran Sie einen guten Züchter erkennen
Ein seriöser Züchter wird Sie nicht einfach einen Welpen kaufen lassen. Er wird Fragen stellen – nach Ihrer Erfahrung, Ihrer Wohnsituation und Ihrem Tagesablauf. Und er wird Ihnen die Elterntiere zeigen. Wenn Sie die Mutter nicht sehen dürfen oder der Züchter Ausreden sucht, laufen Sie besser davon.
Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere auf die genannten Erbkrankheiten untersuchen. Dazu zählen die Untersuchung der Augen durch einen Tierarzt, die Hüft- und Ellenbogendysplasie-Untersuchung sowie Tests auf erbliche Blut- oder Stoffwechselerkrankungen. Lassen Sie sich die Ergebnisse zeigen.
Welpe oder erwachsener Hund?
Ein Welpe ist natürlich der Klassiker. Aber unterschätzen Sie nicht den Wert eines erwachsenen Bassets aus dem Tierschutz. Viele dieser Hunde werden abgegeben, weil ihre Besitzer mit der Sturheit oder dem Sabbern nicht klarkamen. Ein erwachsener Hund zeigt seinen Charakter meist deutlicher, und Sie wissen genau, was Sie bekommen. Oskar war übrigens kein Welpe, als er zu mir kam – er war zweieinhalb Jahre alt und hatte schon zwei Vorbesitzer gehabt. Er war die beste Entscheidung meines Lebens.
Was kostet ein Basset Hound wirklich?
Ein Basset Hound Welpe von einem verantwortungsvollen Züchter in Deutschland kostet in der Regel zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die laufenden Kosten sind erheblich: Allein für hochwertiges Futter, Haftpflichtversicherung, Steuer und regelmäßige Tierarztbesuche sollten Sie mit mindestens 1.500 Euro pro Jahr rechnen. Und dann kommen die unvorhergesehenen Kosten hinzu – die Operation wegen einer Ohrenentzündung, die Physiotherapie wegen Arthrose, die Spezialdiät. Ein Basset, der zwölf Jahre oder älter wird, kann Sie auf diese Weise leicht 10.000 bis 15.000 Euro kosten. Ich will Ihnen keine Angst machen – aber ich wünschte, jemand hätte mir das damals gesagt.
Basset Hound zwischen Rassestandard und Qualzucht: Eine unbequeme Diskussion
Jetzt muss ich ein heikles Thema ansprechen: die Zucht auf extreme Merkmale. Denn die Frage, ob der Basset Hound eine Qualzucht ist, beschäftigt nicht nur Tierschützer, sondern auch viele Züchter und Besitzer. Und ehrlich gesagt: Die Antwort ist nicht einfach.
Die Rassestandards verlangen eine bestimmte Menge an Haut, die sich in Falten am Kopf legt, und sehr lange Ohren. Diese Merkmale sind historisch bedingt – sie halfen dem Hund bei der Arbeit, indem sie Gerüche einfingen. Doch wenn diese Merkmale übertrieben werden, entstehen eben jene gesundheitlichen Probleme: Die Augen entzünden sich, die Ohren werden nie richtig trocken, die Haut in den Falten scheuert.
Es gibt in Deutschland und anderen Ländern immer wieder Diskussionen darüber, die Standards anzupassen oder Zuchtlinien mit extremen Merkmalen von der Zucht auszuschließen. Einige Vereine und Zuchtverbände haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Gesundheit über die Optik zu stellen. Der Trend geht zu moderateren Falten und weniger schweren Ohren – und das ist gut so. Ein Basset mit weniger extremen Merkmalen ist nicht weniger Basset. Er ist nur gesünder.
Die wichtigsten Fragen rund um den Basset Hound
Wie groß wird ein Basset Hound?
Ein Basset Hound erreicht eine Schulterhöhe von 33 bis 38 Zentimetern. Durch die kurzen Beine und den langen, schweren Körper wirkt er oft massiger als diese Zahlen vermuten lassen. Das Gewicht liegt bei ausgewachsenen Tieren meist zwischen 25 und 29 Kilogramm bei Rüden und etwas darunter bei Hündinnen.
Wie viel wiegt ein Basset Hound – und was ist zu viel?
Wie oben beschrieben, sind Rüden mit 25 bis 29 Kilogramm im Soll, Hündinnen etwas leichter. Ein guter Anhaltspunkt: Sie sollten die Rippen des Hundes leicht fühlen können, ohne dass sie sichtbar hervortreten. Wenn Sie die Rippen nicht mehr spüren, ist der Hund zu dick. Punkt. Übergewicht ist bei dieser Rasse keine Bagatelle, sondern der schnellste Weg in schmerzhafte Gelenkprobleme.
Fazit: Ein Hund für Kenner, nicht für Perfektionisten
Der Basset Hound ist kein Hund für Menschen, die einen perfekt gehorchenden Begleiter suchen. Er ist auch kein Hund für Menschen, die Angst vor Speichelflecken, Haaren auf dem Sofa und hartnäckigen Verhandlungen über den Rückruf haben. Aber für alle anderen – für Menschen, die einen Charakterhund mit Seele und Eigensinn suchen – ist der Basset eine Bereicherung, die man kaum in Worte fassen kann.
Oskar hat mich in zwölf Jahren täglich zum Lachen gebracht, oft zum Verzweifeln, und manchmal auch zum Staunen. Wenn ich heute einen Basset sehe, muss ich lächeln. Diese Mischung aus Würde und Clownerie, aus Sturheit und Zuneigung – die findet man bei keiner anderen Rasse. Und wenn man sich auf diese Besonderheiten einlässt, bekommt man einen Freund, der bedingungslos loyal ist – auf seine eigene, unabhängige Art.
Die Frage ist nicht, ob der Basset Hound ein guter Hund ist. Die Frage ist, ob Sie der richtige Mensch für ihn sind. Wenn Sie diese Frage mit einem klaren Ja beantworten können – dann wünsche ich Ihnen viel Freude mit Ihrem neuen Begleiter. Und denken Sie daran: Alles, was er braucht, ist ein sicherer Zaun, ein fester Napf und ein Mensch, der seine Eigenheiten nicht als Fehler, sondern als Charakterzug versteht.